„Noch bessere Texte unters Volk bringen“

Christoph Bläsi, Johannes Gutenberg-Universität
Ich denke, die Verteidigungslinie „KI erzeugt üblicherweise schlechte Texte, außerdem fehlt ihr Authentizität und ‚Embodiment‘“ wird sich nicht halten lassen, jedenfalls nicht als Aussage über die Wahrnehmung vieler Leser:innen. Eine wegen der Produktivitätsfortschritte unvermeidlicherweise schrumpfende Branche wird – diesseits von hoffentlich weiterhin überzeugenden Ausnahme-Autor:innen aus Fleisch und Blut – eine ihrer Rollen darin finden müssen, auch im Tagesgeschäft jeweils einfach noch bessere Texte unters Volk zu bringen, mit Hilfe entsprechend sorgfältig trainierter und geprompteter KI-Systeme, mit originellen Stilbilder:innen „in the loop“ und mit algorithmisch unhintergehbaren Distributions-Leistungen wie Literaturveranstaltungen, kund:innennaher Kuratierung, dritten Orten etc. Und auf der Rezipient:innenseite muss Erziehung, Bildung und Leseförderung in Richtung Higher-Level Reading nicht nur kritisches Denken, eine wissenschaftliche Weltsicht und ein demokratisches Mindset sichern, sondern auch Maßstäbe entwickeln helfen, anhand derer qualitativ nicht hinreichende Texte, egal ob von Menschen oder von Maschinen geschrieben, mit selbstbewusster Nichtbeachtung gestraft werden können.
Christoph Bläsi ist Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und ein Experte für die digitale Transformation der Medienbranche. Ein Forschungsschwerpunkt liegt in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz im Verlagswesen.
Foto: GodeNehler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons