„Publishing verlässt die bisherige Trajektorie in die Zukunft“

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Gunter Dueck,  Autor und Keynotespeaker

Was tun, damit die KI nicht den Publishing-Star killt? Diese Frage klingt bedenklich, sie hört sich an wie „Was tun, damit das E-Auto nicht den Verbrenner killt?“ Denn es geht bei Disruptionen eigentlich darum, sich einen möglichen und guten Platz in der Zukunft  zu sichern. Über KI wird bislang viel zu grundsätzlich spekuliert und geurteilt (Alles Neue wird rituell durch die „Fluch oder Segen?“-Debatte durchdekliniert) – aber bitte: Wir Normalos kennen die KI erst gerade einmal seit drei bis vier Jahren, und erst in den letzten Monaten ist sie gut geworden. Was geht 2036? Wer soll das wissen können? Zumindest kann man jetzt in Kinderbücher und Anderes schicke Zeichentrickfilme und Videos hineinsetzen, die nun per KI „fast kostenlos“ erzeugt werden können. Texter treten dann in den Hintergrund, es braucht eher Charakterdesigner für Typen wie in der Sesamstraße. Kinder könnten über KI-Zellen im Buch „mit Kasper chatten“. REWE-Suche nach Mövenpick-Malve (gibt es das?) oder so beantworten nicht mehr Prospekte. Alles geht per KI-Agent. Alles rund um Lernen steht wahrscheinlich vor einer Disruption, die KI geht schließlich freundlich auf den jeweiligen Kenntnisstand ein. Ich habe ein früheres Buch von mir hochgeladen und Claude gebeten, das als Lektor streng zu kommentieren – mir sind die Ohren abgefallen vor Schreck. Ich bekam so viele neue Anregungen und grandiose Verbesserungen! Medizin-Lexika könnten nun zu jeder Krankheit eingebettete Videos bieten, auch ein „Blick in 1000 Kinderohren aus der Schul-Reihenuntersuchung“, damit der Student beim langen Durchschauen Routine erwerben kann. Das Publishing wird nicht gekillt, aber es verlässt die bisherige Trajektorie in die Zukunft. Geht nun alles ins Business mit KI-Agenten? Ich springe gerade von Idee zu Idee, aber wirklich – die Welt steht offen. Und es trifft jeden. Ich schreibe Sachbücher, die sterben langsam wegen zu niedriger Auflagen. Ich bin Redner und war bis Corona ein halbes Jahr sehr beschäftigt auswärts. Danach haben die Unternehmen in Freude über den damals eingesparten Keynote-Etat nie mehr wirklich mit den üblichen Events angefangen. Preiswerte Redner gibt es heute überdies „zu Millionen“, denn die KI zimmert gute PowerPoints mit Fachkenntnis für 45 Minuten. Ich weiß, was Disruption ist. Auch ich schaue auf eine neue Trajektorie. Mein dritter Enkel ist gerade geboren.

 

Prof. Dr. Gunter Dueck ist Unternehmer, Mathematiker und Informatiker. Als einer der führenden Zukunftsdenker Deutschlands und Autor zahlreicher Bücher beschäftigt Dueck sich mit den Auswirkungen von Digitalisierung und KI. Der ehemalige Chief Technology Officer bei IBM Deutschland gilt heute zudem als gefragter Speaker, Referent und Berater. Foto: Michael Herdlein

Publishing 2036 - Gunter Dueck,  Autor und Keynotespeaker