„Die nächste große Transformation ist kulturell“

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Stefanie Herr, Börsenverein

Bis 2036 wird Vertrauen zur Währung der Branche. Wenn KI-generierte Inhalte den Markt fluten, entscheidet eine Frage über den Kauf: Wer steht dafür ein? Denn der Maßstab für ein Buch bleibt die Vertrauenswürdigkeit der Quelle und die Qualität des Inhalts, nicht die Geschwindigkeit der Herstellung. Verlage und Buchhandlungen haben hier einen gemeinsamen Trumpf: Das Vertrauen der Leser, das sie sich durch jahrelange verlässliche kuratorische Arbeit erarbeitet haben.  Genau diese Kompetenz wird jetzt zum zentralen Wettbewerbsvorteil. Denn: Ein Modell kann Texte erzeugen, aber keine Haftung übernehmen und keine Reputation herstellen, die über Jahre gewachsen ist.

Was Verlage und Buchhandlungen neu lernen müssen ist, diesen Trumpf auch bewusst auszuspielen, anstatt ihn – wie bislang – als Selbstverständlichkeit anzusehen. Konkret bedeutet das: Sie müssen ihr kuratorisches Urteil aktiv als ihre Kernkompetenz kommunizieren, nicht nur ausüben. Sie müssen Qualitätsmaßstäbe offen legen, in direkte Kundenbeziehungen investieren und das Lesevertrauen ihrer Kund*innen bestärken. Sie müssen dafür sorgen, dass die Kundschaft erkennen und verstehen kann, was ihr Angebot von der unkuratierten Alternative abhebt. Denn nur wenn diese Orientierung geboten ist, kann sich die Leserschaft aktiv für dafür entscheiden. Diese Aufgabe reicht über das eigene Geschäft hinaus. Verlässliche, redaktionell verantwortete Information ist Grundlage für eine informierte Gesellschaft und somit für den Erhalt unserer Demokratie. Die nächste große Transformation der Branche ist damit weniger technologisch als kulturell: Kuration und Verantwortung sichtbar machen, um Vertrauen zu sichern.

 

Steffi Herr ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Digitalexpertin mit langjähriger Berufserfahrung. Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels verantwortet sie als Mitglied der Geschäftsleitung den Bereich Transformation. Foto: Christof Jakob

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