Bootstrapping statt Masterplan
Zehn Jahre DIGITAL PUBLISHING REPORT. dpr-Gründer Steffen Meier blickt zurück
Der DIGITAL PUBLISHING REPORT wird zehn Jahre alt. Angefangen hat das Ganze tatsächlich nicht mit einem Masterplan, sondern als Nebenbeiprojekt. In den Verlagen wuchs der Bedarf nach Informationen zu digitalen Themen, aber wenige Institutionen oder Publikationen konnten diesen abbilden.
Der Start war zugegeben hemdsärmelig: Kein Büro. Kein Investorendeck. Kein Businessplan mit Hockeystick-Kurve. Keine Taskforce, kein Change Board, kein langer Abstimmungsprozess über die Frage, ob man wirklich starten sollte.
Und zwei Dinge waren von Anfang an klar: Der dpr richtet sich an Publisher. Ausschließlich. Und der dpr ist rein digital. Dahinter stand ein Prinzip, das bis heute trägt: Wir wollen nicht alle erreichen, sondern die Richtigen. Das klingt in einer Reichweitenwelt fast unhöflich, ist für Fachmedien aber ziemlich zentral. Relevanz entsteht nicht dadurch, dass alle kurz hinschauen, sondern dadurch, dass die richtige Zielgruppe regelmäßig wiederkommt.
Von Beginn an war der dpr deshalb weniger ein klassisches Medienprodukt als ein Netzwerkprodukt. Themen entstanden aus Gesprächen mit der Branche, aus Verlagen, Dienstleistungsunternehmen und Beratungskontexten. Dazu kam ein wachsendes Partnernetzwerk, ohne dass diese Entwicklung kaum möglich gewesen wäre.
Aus redaktionellen Formaten wurden mit der Zeit digitale Events, Webinare, Konferenzen, Dossiers und internationale Aktivitäten. Die Formate wechselten je nach Bedarf, der Kern blieb: Information vermitteln und Austausch ermöglichen.
Interessanterweise taugt der dpr damit ganz nebenbei als kleines Lehrbeispiel für digitale Transformation. Zehn Jahre früher hätte dieses Experiment vermutlich gar nicht funktioniert. Man hätte Büros gebraucht, Mitarbeitende, Druckereien, Vertrieb, Logistik und vielleicht noch ein paar repräsentative Möbel für Besprechungen über Umlaufmappen. Kurz: Der Versuch wäre wahrscheinlich beendet gewesen, bevor das erste Medium erschienen wäre.
Digital dagegen senkt die Eintrittshürden. Man kann ausprobieren, testen, lernen, umbauen. Nicht kostenlos, nicht mühelos, aber oft schneller und flexibler als im Analogen.
Zudem zeigte sich der (anfänglich notgedrungende) Wechsel von Paid Content und Subscription hin zu einem Freemium-Modell und der Fokussierung auf Reichweite als richtig. Die Inhalte wurden frei zugänglich, die Reichweite wuchs, und die Monetarisierung verlagerte sich auf das Zusammenspiel mit Partnern, Veranstaltungen und Branchenkommunikation. Auch das ist eine digitale Medienlogik: Wert entsteht nicht immer direkt über Paid Content, sondern über Aufmerksamkeit, Vertrauen, Vernetzung und passgenaue Zugänge zu einer professionellen Community.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt nach zehn Jahren: Der dpr ist kein Produkt vom Reißbrett. Er ist ein Community- und Netzwerkprojekt. Ohne Autor:innen, Partner, Leser:innen, Speaker, Teilnehmer:innen und Unterstützer:innen hätte es ihn so nie gegeben. Ihnen allen gilt nach zehn Jahren ein besonderer Dank.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht. Zwei Linien zeichnen sich ab: die weitere Internationalisierung und die Frage, wie wir KI nicht nur journalistisch begleiten, sondern selbst nutzen. Vielleicht besteht der dpr in zehn Jahren tatsächlich aus einem Chatbot. Vielleicht auch nicht.
