Around the Book World
Published: 27.10.2026
Jede Woche fasst unser Kolumnist Carlo Carrenho die internationale News der Branche zusammen. Diesmal: Literaturagent:innen des Wandels, Hollywood verfilmt, was Verlage nicht drucken, neue Schlacht um den Balkan

Manga erobert die Welt – und Tokio will mithelfen
Laut Yomiuri Shimbun erwägt Japan eine gemeinsame digitale Plattform, die die Kataloge mehrerer Verlage bündeln und mithilfe KI-gestützter Übersetzung Manga international vertreiben würde. Derzeit liegen schätzungsweise nur 3-4 % der japanischen Manga-Titel in offiziellen Übersetzungen auf Märkten wie Nordamerika vor. Der Vorschlag sieht eine nutzungsabhängige Erlösbeteiligung vor sowie staatliche Unterstützung für Content-Produktion, internationales Marketing und den Kampf gegen Piraterie. Japans Finanzministerium will die Initiative vor der Haushaltsplanung für das Fiskaljahr 2027 erörtern und strebt die Mitwirkung großer Verlage wie Shueisha und Kodansha an. Unterdessen hat das japanische Startup Orange seine KI-gestützte Manga-Plattform emaqi auf Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland ausgeweitet und ist damit in sechs englischsprachigen Märkten vertreten. Der Dienst bietet lizenzierte Manga mehrerer Verlage und verbindet KI-Übersetzung mit professioneller Lokalisierung.
Carlo's take: Japans wachsende Entschlossenheit, seine Manga und anderes geistiges Eigentum direkt auf internationale Märkte zu bringen, statt nur Rechte ins Ausland zu verkaufen, ist in dieser Kolumne fast schon zur Obsession geworden. Doch vielleicht ist die Obsession berechtigt, denn immer mehr japanische Plattformen expandieren international. Vergangene Woche hat der Manga-Branchenkenner Takeshi Kikuchi in seinem Blog einen nützlichen Vergleich von 13 Manga-Vertriebsdiensten zusammengestellt, der zeigt, wie weit japanische Unternehmen ihre Reichweite über den Heimatmarkt hinaus ausdehnen.
Der Vergleich offenbart unterschiedliche Expansionsstrategien. So sind emaqi und VIZ Manga in sechs großen englischsprachigen Märkten aktiv, während Shonen Jump vier weitere Länder erreicht, darunter Indien und Singapur. Crunchyroll Manga ist in 13 Ländern verfügbar, K MANGA in 48. MANGA Plus vertreibt Manga in neun Sprachen in weiten Teilen der Welt, während comici MANGA in 12 Ländern tätig ist, auch in nicht englischsprachigen Märkten. Andere Dienste wie BookWalker, Renta! und Mangamo bedienen internationale Leser mit unterschiedlichen territorialen Beschränkungen. Während einige Plattformen sich schrittweise über Nordamerika hinaus ausweiten, setzen andere von Anfang an auf globalen Vertrieb. Zusammen zeigen sie die wachsende Vielfalt und den Ehrgeiz des internationalen Manga-Geschäfts Japans.
Von Seoul bis Seattle: Literaturagenten des Wandels
Auf beiden Seiten des Pazifiks erproben zwei Unternehmen neue Wege, geistiges Eigentum in Verlagswesen und Unterhaltung zu entwickeln und zu vermarkten. Laut Publishers Weekly haben die ehemaligen Amazon-Manager Jeff Belle und Nicholas C. Denissen in Seattle Macguffin Co. gegründet, ein IP-Studio, das mit Unterstützung von Investoren und Kreativteams originäre, buchzentrierte Unterhaltungsfranchises entwickelt. Das Unternehmen testet Konzepte zunächst in Lesergemeinschaften und bietet Verlagen dann die Option, sich am geistigen Eigentum des Franchise zu beteiligen – so können sie die Nachfrage mit geringer Vorabinvestition prüfen. Macguffin hat 50 Franchises in Entwicklung, mit Projekten von Büchern über Apps und Spiele bis zu anderen Medien. Unterdessen berichtet ChosunBiz, dass das Startup Infiniction aus Seoul koreanische Webnovels für internationale Plattformen erwirbt und lokalisiert. Bis Juli 2026 hatte es rund 30 Titel auf fünf Plattformen veröffentlicht und sich die Auslandsrechte an mehr als 100 Werken gesichert. Erfolgreiche Titel will das Unternehmen zu E-Books, gedruckten Büchern, Hörbüchern, Webtoons und audiovisuellen Adaptionen ausbauen.
Carlo's take: Diese Initiativen bringen willkommene Innovation in die etablierte Welt der Verlagsrechte. Seit Jahrzehnten spielen Rechteprofis und Literaturagenten eine zentrale Rolle dabei, Bücher über Grenzen zu tragen und neue Talente für Verlage zu entdecken. Doch die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle sind relativ unverändert geblieben, und etwas Innovation ist in diesem Bereich durchaus willkommen. Infiniction verfolgt einen praxisnahen, datengetriebenen Ansatz bei internationalen Rechten und verbindet Elemente von Literaturagentur und Verlag, während Macguffin die IP-Entwicklung neu denkt, indem es Konzepte testet und das Vorabrisiko der Verlage senkt. Beide bieten neue Wege, Inhalte zu entwickeln und zu vermarkten, und eröffnen der Branche neue Chancen.

Hollywood verfilmt, was Verlage nicht drucken
Laut The New York Times zahlen Hollywood-Studios siebenstellige Summen für unveröffentlichte Kurzgeschichten, während traditionelle Verlage beim Erwerb von Erzählbänden weiterhin zurückhaltend sind. Netflix hat Nicholas Binges Understudy erworben, Universal kaufte Colin Bannons Long Lost mit Steven Spielberg als Produzent, und Amazon MGM Studios sicherte sich Harrison Querys Code Black. Die Deals spiegeln einen wachsenden Markt für originäre Geschichten wider, die direkt für Film und Fernsehen entwickelt werden und die traditionellen Verlagskanäle umgehen. Unterdessen berichtet Publishing Perspectives, dass eine neue Studie von Rightscenter ein wachsendes Interesse von US-Film- und Fernsehproduzenten an übersetzter Belletristik und Backlist-Titeln feststellt. Anfragen nach internationalen Stoffen haben sich gegenüber dem Vorjahr um das 3,5-Fache erhöht, und Backlist-Titel machen fast zwei Drittel der Anfragen aus.
Carlo's take: Darin liegt eine beträchtliche Ironie. Kurzgeschichten haben es seit Langem schwer, Verlage zu finden, und übersetzte Belletristik gilt auf dem englischsprachigen Markt als notorisch schwer verkäuflich. Doch ausgerechnet Hollywood, der große Bruder des Verlagswesens, jagt nun genau jenen Geschichten nach, die Verlage oft übersehen haben. Die Studios wenden sich sogar direkt an die Autoren, ohne abzuwarten, dass aus ihren Geschichten Bücher werden – womöglich bleiben die Verlage dabei außen vor. Ist es Zeit, dass Verlage Kurzprosa und Übersetzungen mehr Aufmerksamkeit schenken? Oder haben diese Geschichten auf der Leinwand schlicht eine bessere kommerzielle Zukunft als auf dem Papier?
Kurzgeschichten sind bei den Lesern nicht so beliebt wie Romane, werden aber oft verfilmt, wie zum Beispiel „Brokeback Mountain“.
Liberté, Égalité, Fraternité? Mehr Steuern für die Großen
Französische Abgeordnete prüfen im Rahmen des Haushalts 2027 mehrere neue Abgaben für die Buchbranche. Laut ActuaLitté hat die Abgeordnete Sarah Legrain eine Abgabe von 1 % für Verlage, Distributoren und Online-Buchhändler mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. € vorgeschlagen, dazu eine Steuer von 0,10 € auf jedes makulierte neue Buch. Die Maßnahmen sollen kleinere Verlage und unabhängige Buchhandlungen unterstützen, mit Ausnahmen für gespendete oder wiederverwendete Bücher. Unterdessen berichtet Livres Hebdo, dass die Abgeordneten Laure Miller und Dorine Bregman alternativ Abgaben von 2,25 % und 3,75 % auf neue und gebrauchte Bücher vorgeschlagen haben, die über große Online-Marktplätze verkauft werden. Diese könnten jährlich 20–30 Mio. € für das Centre national du livre (CNL) einbringen, eine französische Behörde zur Förderung von Autoren, Verlagen und Buchhandlungen. Ausgenommen wären die eigenen Websites von Verlagen und Buchhandlungen sowie Marktplätze mit einem Jahresumsatz unter 10 Mio. €. Alle Vorschläge werden noch im Parlament beraten.
Carlo's take: Es ist ermutigend zu sehen, dass sich französische Politiker um die Gesundheit des Buchmarkts sorgen und handeln wollen. Andererseits werfen diese Vorschläge Fragen nach übermäßiger Besteuerung und staatlicher Einmischung auf. Die richtige Balance zwischen einem offenen, wettbewerbsorientierten Markt und dem Schutz unabhängiger Verlage und Buchhandlungen mit ihrer kulturellen Bedeutung zu finden, ist nie einfach. Ob diese Änderungsanträge die parlamentarische Prüfung überstehen, bleibt abzuwarten. Doch zumindest in Frankreich erhalten die Herausforderungen der Verlagsbranche politische Aufmerksamkeit.

Eine neue Schlacht um den Balkan – diesmal um Hörbücher
Das polnische Hörbuchunternehmen Audioteka hat eine Mehrheitsbeteiligung an der serbischen Hörbuchplattform Knjigapriča übernommen und baut damit seine Präsenz auf dem Balkan aus. Laut Rynek Książki bietet die 2019 gegründete Plattform aus Novi Sad rund 400 Hörbücher auf Serbisch und Kroatisch an, darunter Eigenproduktionen mit lokalen Sprecherinnen und Sprechern. Gründer Nenad Iđoški bleibt CEO und verantwortet die Expansion in Serbien und später auch in Kroatien. Audioteka will in Rechteerwerb, die Produktion eigener Hörbücher und Audioserien, Marketing und den Ausbau des lokalen Teams investieren.
Der Balkan scheint das nächste Schlachtfeld für Hörbücher zu werden. Auch das rumänische Voxa hat Expansionspläne für die Region angekündigt, während Spotifys weltweiter Rollout Verlagen eine weitere Vertriebsoption bieten wird. Dieser wachsende Wettbewerb dürfte lokalen Verlagen Chancen eröffnen, ihre Hörbuchkataloge auszubauen, und könnte sogar Pionierplattformen wie dem kroatischen book&zvook zugutekommen, das bereits in den Markt investiert.
Fair go! Die Australier geben Hörbüchern eine Chance
Fast die Hälfte der australischen Hörbuchkonsumenten zahlt für ein Abo, und mehr als die Hälfte hat das Format erst in den vergangenen zwei Jahren ausprobiert – so der neue Bericht von NielsenIQ BookData, Understanding the Australian Audiobook Consumer 2026. Laut der Studie, die auf einer Befragung von 1.102 Erwachsenen beruht, sind persönliche Empfehlungen und das Stöbern auf Hörbuch-Websites die wichtigsten Entdeckungswege (je 28 %), gefolgt von der Suche nach Lieblingsautoren (25 %) und Suchmaschinen (24 %). Im The Bestsellers Podcast betonte Claire Harrison von BookScan Australia die Bedeutung der Sprechqualität: Ein schlechter Sprecher könne Hörer davon abhalten, es noch einmal mit Hörbüchern zu versuchen. Als Hürden nannte sie zudem den Preis und die Zurückhaltung gegenüber KI-Erzählstimmen.
Carlo's take: Australien ist ein interessanter Hörbuchmarkt. Obwohl englischsprachig, hat das Land eigene literarische Traditionen und unverwechselbare Akzente, die Hörgewohnheiten prägen können. Auch ein starker lokaler Akteur wie Bolinda hebt den Markt ab. Da fast die Hälfte der Hörbuchkonsumenten für Abos zahlt, spiegelt der Markt einen breiteren Trend wider: Hörbücher werden zunehmend wie Filme und andere Streaming-Unterhaltung konsumiert und weniger wie gedruckte Bücher. Und da so viele Australier das Format erst vor Kurzem entdeckt haben, gibt es noch reichlich Wachstumspotenzial.
Brasilien ist mehr als nur Amazon(as)
Laut Exame will die brasilianische Buchhandelskette Livrarias Curitiba bis Ende 2027 von 27 auf 33 Filialen wachsen, nachdem der Bruttoumsatz 2025 um 9,53 % auf 385 Mio. R$ (68,2 Mio. €) gestiegen war. Das 63 Jahre alte Familienunternehmen erwartet für 2026 einen Umsatz von mehr als 420 Mio. R$ (74,4 Mio. €). Zur Expansion gehört auch eine neue Handelsmarke, Libris, die im August in Porto Alegre startete. Vertriebsdirektorin Rute Pedri schreibt die Wiederbelebung des Interesses an stationären Buchhandlungen jüngeren Generationen und den sozialen Medien zu – Lesen sei wieder schick geworden. Die Kette kombiniert Bücher mit Schreibwaren, Spielzeug, Spielen und Kulturveranstaltungen. Non-Book-Produkte machten 2025 26,36 % des Umsatzes aus, der Onlinehandel nur 2,8 %.
Carlo's take: Das Wachstum von Livrarias Curitiba, traditionell auf den südlichen Bundesstaat Paraná konzentriert, zeigt die Widerstandskraft des brasilianischen Buchhandels. Die Krise, die 2018 Saraiva und Cultura erfasste, damals die beiden größten Buchhandelsketten des Landes, führte schließlich zu Insolvenzverfahren und zum Zusammenbruch beider Unternehmen – ein schwerer Schlag für die Branche. Doch während Amazon Marktanteile gewann, füllten andere Buchhändler die Lücke. Livraria Leitura wurde zur größten Kette des Landes, gefolgt von Curitiba, und auch unabhängige Buchhandlungen fanden in den Großstädten Raum zum Wachsen. Besonders interessant an Curitiba ist der starke Fokus auf den stationären Handel, während der Onlinehandel weniger als 3 % des Umsatzes ausmacht. Die Expansion deutet darauf hin, dass stationäre Buchhandlungen in Brasilien noch eine vielversprechende Zukunft haben.
Verlage gegen KI: die koreanische Ausgabe
Südkoreanische Verlage fordern Transparenz und eine faire Vergütung für Bücher, die für KI-Training genutzt werden, nachdem bekannt wurde, dass Anthropic in großem Umfang koreanischsprachige Titel erworben hat. Laut JoongAng Ilbo kaufte Anthropic rund 165,69 Tonnen Bücher, schätzungsweise 414.000 Exemplare, geliefert von Woongjin Booksen, Südkoreas größtem Buchgroßhändler. Unterdessen berichtet The Hankyoreh, dass die Korea Publishers Society (KOPUS) den Aufruf „No Books, No AI“ gestartet hat, der Transparenz, die Zustimmung der Rechteinhaber und eine faire Vergütung fordert. Der Initiative haben sich 163 Verlage und Organisationen sowie 333 Autoren, Übersetzer und Verlagsprofis angeschlossen.
Carlo's take: Was in Südkorea geschieht, wirkt wie ein Déjà-vu. Ähnliche Entwicklungen haben wir im englischsprachigen und in anderen westlichen Buchmärkten gesehen. Diese Geschichten zeigen, dass der Umgang mit großen KI-Unternehmen eine wirklich globale Herausforderung ist. KI-Entwickler nutzen Bücher in den großen Sprachen der Welt, um ihre Modelle zu trainieren, und Verlage reagieren überall auf ziemlich ähnliche Weise.
5 Mrd. Dollar, die in keiner Branchenstatistik stehen
Amazons Kindle Unlimited dürfte die Marke von 5 Mrd. US-Dollar (4,47 Mrd. €) an kumulierten Auszahlungen an Selfpublisher und Kleinverlage überschreiten, wenn im November die Zahlen für Oktober 2026 veröffentlicht werden. Laut The New Publishing Standard hat der E-Book-Abodienst seit seinem Start im Juli 2014 insgesamt 4,99 Mrd. US-Dollar (4,46 Mrd. €) ausgeschüttet – damals lagen die monatlichen Auszahlungen bei nur 2,5 Mio. US-Dollar (2,2 Mio. €). Im August 2026 erreichten die Zahlungen 66 Mio. US-Dollar (59,0 Mio. €) und im September 65,9 Mio. US-Dollar (58,9 Mio. €), im Durchschnitt dieses Jahres 64,9 Mio. US-Dollar (58,0 Mio. €) pro Monat. Die Zahlen umfassen Autoren von Kindle Direct Publishing (KDP) und kleinere Verlage, die an Kindle Unlimited teilnehmen; nicht enthalten sind Zahlungen an große Verlage, Einzelverkäufe von E-Books und Autoren von Amazon Publishing.
Carlo's take: Es ist längst überfällig, dass die Verlagsbranche das Selfpublishing in ihre Marktstatistiken aufnimmt. Amazons Zurückhaltung bei der Weitergabe von Daten erschwert das, doch der Sektor ist schlicht zu groß, um ihn zu ignorieren. Branchenverbände müssen bessere Wege finden, die Umsätze des Selfpublishings zu schätzen und in umfassendere Marktanalysen einzubeziehen. Bis dahin sollten wir bedenken, dass Branchenstatistiken nur ein unvollständiges Bild des Marktes liefern – mit einem erheblichen blinden Fleck, den man nicht übersehen darf.
Was mir sonst noch aufgefallen ist

Eine Ausleihe ab 18. Mitarbeitende einer Bibliothek im schwedischen Strömstad haben eine Kindeswohl-Meldung erstattet, nachdem ein zehnjähriges Kind H.D. Carltons Dark-Romance-Bestseller Haunting Adeline ausgeliehen hatte. Laut dem Vater will das Kind nicht mehr in die Bibliothek zurück, berichtet Boktugg.
Eine Rabattverteidigung. Einige polnische Verlage, Distributoren und Buchhändler haben eine Kampagne gegen die geplante Buchpreisbindung gestartet und warnen, zwölfmonatige Rabattbeschränkungen könnten die Kosten erhöhen und Neuerscheinungen aus Abodiensten ausschließen, berichtet Rynek Książki.
Ein Frankfurter Kater. Auf der Frankfurter Buchmesse folgten auf die Deals am Tag lange Partynächte, darunter eine brasilianische Feier in der Bar Shuka und Canongates alljährliche Tanzparty im Romantika, berichtet The New York Times.
Ein Milliarden-Scroll. Naver Webtoon hat 300 Mio. Downloads und 1,3 Mrd. US-Dollar (1,16 Mrd. €) an kumulierten In-App-Umsätzen überschritten; bei den Downloads führt Indonesien, Indien legt stark zu, berichtet ChosunBiz.
Ein Rezept für Romane. Die Page Pharmacy bei Osaka ist zugleich eine Buchhandlung mit 1.000 Titeln: Die acht Mitarbeitenden wählen die Bücher aus, und das Apothekengeschäft finanziert die Regale, berichtet The Asahi Shimbun.
Ein Souk aus Québec. Die saudische Plattform Samawy und der kanadische Distributor De Marque wollen arabische E-Books in mehr als 40 Ländern vertreiben und französischsprachige Kataloge in die arabische Welt bringen, gab Samawy auf LinkedIn bekannt.
Ein Verlag in Schale. Der japanische Verlag Takarajimasha hat mit seinem redaktionellen Know-how und seinem Buchhandelsnetz mehr als 950.000 Stück Recovery-Kleidung verkauft, berichtet Mynavi News.
Eine Roboterzeche. Der deutsche Buchhändler Thalia hat auf einer ehemaligen Zeche ein Logistikzentrum für 100 Mio. € eröffnet, in dem 530 Roboter bis zu 10 Mio. Artikel bewältigen, berichtet Digital Publishing Report.

Der Autor dieser Kolumne hat in seinem früheren brasilianischen Leben viel Zeit in Curitiba verbracht. Die Heimatstadt von Livrarias Curitiba ist stark von polnischer und ukrainischer Einwanderung geprägt – das spiegelte sich in dem, was er stets als eher zurückhaltende Art der Menschen dort empfand, und in den kunstvoll verzierten Ostereiern, den sogenannten pêssankas, die man sogar am örtlichen Flughafen als Souvenir kaufen konnte.
Bei seinen Besuchen in Curitiba floh er am liebsten nach Morretes, einem reizenden Städtchen am Fuß der Serra do Mar auf dem Weg zur Atlantikküste. Morretes ist berühmt für barreado, einen köstlichen Rindfleischeintopf, der traditionell bis zu 24 Stunden in einem Tontopf gart, der mit einer Paste aus Maniokmehl versiegelt wird. Doch das Essen war nicht die einzige Attraktion. Es gab auch Reifenrutschen auf dem Fluss, vor Ort boia-cross genannt. Mit richtigen Schlauchbooten und Paddeln? Natürlich nicht! Auf brasilianische Art ließ man sich auf riesigen aufgeblasenen Lkw-Schläuchen den Fluss hinuntertreiben. Man ließ sich einfach flussaufwärts fahren und von der Strömung zurücktragen. Das Wasser konnte eiskalt sein, und an eine besonders kalte Fahrt wird er sich immer erinnern. Als er zitternd am Ziel ankam, bot man ihm ein Glas hervorragenden brasilianischen cachaça an, der ihn fast augenblicklich aufwärmte.
Heute trinkt er mehr Aquavit als cachaça und fühlt sich mit jedem Jahr ein wenig schwedischer. Doch alte brasilianische Gewohnheiten sterben schwer. Wer kommt mit zum Reifenrutschen auf einem zugefrorenen schwedischen See? Die cachaça bringt er mit.
Die Kolumne erscheint montags im Original bei Publishing Perspectives auf Englisch, Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von PP.
